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Auswendig spielen lernen

Für alle, die meinen, sie seien ein "hoffnungsloser Fall", wenn sie ihre
Lieder auswendig spielen wollen:
Dieser Workshop hilft Euch hoffentlich auf die Sprünge!


Download von Workshop-Unterlagen

Beim Musicando 2018 habe ich zum Thema Auswendigspielen und Improvisieren einen Workshop abgehalten.
Hier die Unterlagen im PDF Format!


Scheinbar mühelos??

Vielleicht habt Ihr schon einmal kopfschüttelnd einem Musiker zugehört, der stundenlang mühelos ohne Noten auf einem Keyboard oder Klavier sein Können zum Besten gab.

Kopfschüttelnd deshalb, weil Ihr dabei an Eure eigenen kläglichen Versuche dachtet, auch nur ein einziges Lied einigermaßen fehlerfrei auswendig zu spielen.

Mit diesem Workshop stelle ich Euch einmal vor, wie ich dies gelernt habe.

Sicher wird jeder einzelne von Euch letzten Endes eine ganz individuelle Vorgehensweise für sich herausfinden, die ebenso funktioniert.


Zuerst eine kleine Aufmunterung

Ich kenne keinen einzigen Musiker, der sowohl das flüssige Spiel nach Noten (die er eventuell gerade zum 1. Mal vor sich hat) sowie das Auswendigspielen gleichermaßen perfekt beherrscht.

Und der eine beneidet den anderen!!

Und immer denkt man, daß das eine Sache einer angeborenen Begabung sein müsse, auswendig zu spielen.
Aber hier übersieht der Zuhörende, daß der Musiker gerade das Auswendigspielen genauso trainiert hat wie der Notenspieler seine Spielweise.


Wie ich das Auswendig spielen lernte

Hier zuerst ein Blick in meine Vergangenheit. Ich machte damals als Kind aus einer Not eine Tugend!

Meine Klavierlehrerin, eine ältere und ziemlich strenge Dame, hatte ihr Herz komplett der klassischen Klavierliteratur verschrieben und ließ außer Bach, Mozart, Chopin und sonstiger klassischer Klavier-Literatur nichts durch.
Zeitweise habe ich darunter echt gelitten.

Von meinem Taschengeld hatte ich mir (endlich!!) einen Cassettenrecorder zusammengespart, der ab sofort ziemlich gequält wurde.

Denn zum ersten Mal in meinem Leben war die Musik, die ich im Radio hörte und die mir gefiel, nicht sofort weg, nachdem sie erklungen war.

So hatte ich endlich die Chance, festzuhalten, was mir gefiel - und ich nahm so ziemlich alles auf, was lief.

Stellte dann den Recorder aufs Klavier und versuchte, die mir liebsten Stücke mitzuspielen.

Der arme Cassettenrecorder tut mir heute noch leid - so oft, wie ich die Rückspul- und Playtaste gedrückt habe!

Aber ich habe mir damals den Grundstock meines heutigen Repertoires gebildet, welches inzwischen aus einigen tausend Musikstücken bestehen dürfte.


Und heute?

Das jahrzehntelange Training durch Hinhören und Mitspielen macht es möglich, dass Auswendigspielen heute für mich viel einfacher ist als jegliches Vom-Blatt-Spielen.

Auch spontane Künstlerbegleitung ist heute kein Problem, denn durch die vielen Stücke musste ich mich seitdem mit jeder Tonart auseinander setzen.

Noch heute weiß ich, bei welchem Musikstück sich für mich eine neue Tonart erschlossen hat!


Wie kommt man vom reinen Notenspiel weg?

Ja, wie wechselt man nun von dem Lager der Notenspieler über in das der Auswendigspieler?

Ganz sicher ist dies kein wissenschaftliches Forschungs-Ergebnis, was ich hier niederschreibe.
Aber ich habe durch mehrere Feedbacks erfahren, dass ich mit meinem Workshop tatsächlich helfen konnte.


Unterschied Auswendig-Spieler zum Notist

Erst einmal muss man sich darüber klar sein, daß ein Notenspieler ein anderes visuelles Gedächtnis trainiert hat als der Auswendigspieler.
Damit meine ich, daß er sich das Notenbild einprägt, und mit der Zeit gar nicht mehr richtig darauf achtet, welche Klaviertasten er eigentlich drückt.  Denn seine Finger wissen, wohin sie gehen müssen, wenn er bestimmte Noten liest.
Ein Auswendigspieler kennt genau die Lage der Taste bzw. ihr Aussehen, bevor er sie spielt.
Dabei ist ihm vielleicht nicht einmal bewußt, wie diese heißen!

Mir fällt diese Tatsache vor allem bei sehr komplizierten Akkorden auf.
Denn oft könnte ich spontan nicht einmal sagen, welchen Akkord ich eben gespielt habe.
Ich weiß nur, welche Tasten ich dabei gedrückt habe.
Und wenn ich auch einmal (was selten vorkommt) ein Stück nach gekauften Noten lerne, brauche ich endlos lange, bis ich es auswendig spielen kann!

Also geht es beim Auswendigspielen auch darum, wie man sich das Bild der Klaviertasten am besten einprägt.
Und das geht am Leichtesten, wenn man erst einmal gar keine Noten vor sich hat!


Erster Test

Stellt Euren CD- bzw. MP3-Player (Smartphone?) direkt ans Instrument, und zwar so, dass Ihr das Lied - wenn Ihr am Instrument sitzt - bequem vor- und rückspulen könnt.

Und dann solltet Ihr ein kurzes, einfaches Musikstück aussuchen, welches Ihr so gut kennt, daß Ihr es mühelos mitsingen könnt.

Jetzt geht es darum, dass Ihr den Anfangston dieses Musikstücks auf Eurer Tastatur findet.
Schätzungsweise dürfte Euch allein das schon schwer fallen.

Deshalb ist es hilfreich, daß Ihr Eure Tonquelle immer wieder an die richtige Stelle spulen könnt, um so lange zu probieren, bis Ihr diesen Ton gefunden habt.

Habt Ihr ihn? Dann nehmt Ihr euch den gesamten ersten Takt (und nur den 1. Takt - nicht mehr !!!!) des Musikstücks vor:

  • Anhören
  • am besten mitsingen
  • Tonquelle stoppen.

Jetzt singt diesen einen Takt weiterhin vor Euch hin, und versucht herauszufinden, welche Töne es auf der Klaviatur sind.
Vielleicht hilft es auch, während der Wiedergabe diese Töne durch Suchen/ Ausprobieren auf der Tastatur zu finden.
Eventuell müsst ihr noch ein paar Mal die gleiche Stelle in Eurer Tonquelle herspulen, bis Ihr alle Töne gefunden habt.

Habt Ihr Sie alle gefunden, spielt Ihr diese jetzt so oft, bis Ihr dabei die Augen schließen könnt.
Und beim "Blindspielen" versucht Ihr jetzt, Euch vor Eurem inneren Auge die Tasten vorzustellen, die Ihr spielt.

Jetzt geht's weiter mit Takt 2. Ihr geht vor wie bei Takt 1:

  • Anhören
  • Mitsingen
  • Tonquelle stoppen
  • Töne auf der Tastatur suchen
  • Spielen, bis es blind läuft.

Und jetzt setzt Ihr diese beiden Takte aneinander, bis sie zusammen flüssig von der Hand gehen, und Ihr sie wiederum blind spielen könnt. Auf diese Weise arbeitet Ihr euch jetzt taktweise durch Euer ganzes Musikstück, bis Ihr alles ganz auswendig spielen könnt.

Sich ein Musikstück auf diese Art anzueignen, wird anfangs sicher mühevoll sein, aber lasst Euch nicht entmutigen!
Auch auswendig spielen muss erlernt werden! Später, mit ein bißchen Übung, werdet Ihr nicht mehr taktweise, sondern abschnittweise voranschreiten, was natürlich wesentlich schneller geht.

Dieses Kapitel solltet Ihr unbedingt mindestens einmal hinter Euch bringen, bevor Ihr Euch über den nächsten Schritt hermacht:


Test 2: Vom Notenblatt zum Auswendigspielen

Wollt ihr ein Musikstück, das Ihr als Noten vor Euch habt, endlich auswendig spielen, geht Ihr dabei genauso Takt für Takt vor wie in Übung 1:

  • Ersten Takt ansehen
  • Auf der Tastatur spielen, und zwar so oft, daß es fehlerfrei läuft.
  • Dann nicht mehr in die Noten sehen, sondern nur noch auf die Tasten
  • (notfalls die Noten zuklappen)
  • Den Takt so oft mit Blick auf die Tastatur spielen,
    bis Ihr ihn fehlerfrei auswendig spielen könnt.
  • Und jetzt: Augen zu!
    Und stellt Euch beim Spielen das Bild der Tasten vor.

Auch hier arbeitet Ihr Euch gaaaanz langsam durch Euer Musikstück:
Immer sollte zu dem, was ihr schon perfekt auswendig spielen könnt, nur ein einziger Takt neu dazukommen.

Und auf alle Fälle solltet Ihr auch bei dieser Übung nur ein Stück nehmen, dessen Melodie Ihr schon gut im Kopf habt, es also auch problemlos auswendig (!) singen könnt. Dies erleichtert den Schritt zum Auswendigspielen erheblich.


In Zukunft

Auch in Zukunft solltet Ihr jetzt vermehrt darauf achten, neue Stücke nicht von Noten zu erarbeiten, sondern möglichst zu versuchen, sie aus der Originalaufnahme herauszuhören.


So bringe ich mir neue Stücke am Schnellsten bei

Beim Heraushören singe und spiele ich die einzelnen Takte schon so oft, dass ich sie eigentlich schon im Kopf und in den Fingern habe, wenn ich sie schließlich als Noten niederschreibe.

Das Niederschreiben spricht die andere Gehirnhälfte auch noch an, und dadurch ist die Speicherung im Kopf viel intensiver und auch dauerhafter.


Musikunterricht

Falls Ihr noch im Unterricht seid, sprecht Euren Lehrer einmal darauf an, das Thema "Intervalle" (Abstand zweier Noten) mit Euch durchzugehen. Dies ist eine sinnvolle Hilfe zur Gehörbildung.

Zu allerletzt könnt Ihr dann daran gehen, aus einem Originalsong die Noten herauszuhören, und sie Takt für Takt als Noten niederzuschreiben.

So kann man auch gut unterrichten!
Selbst Kinder, die noch gar nicht zur Schule gehen, haben durch dieses Hören - Suchen - Finden - Spielen gleich von Anfang an einen ganz anderen Zugang zur Musik.


Noch zwei Vorteile

Wenn man im Unterricht zusammen mit dem Lehrer, der Hilfestellungen gibt, die Noten des Originalsongs heraushört und niederschreibt, kann man so manchen Euro sparen, den man sonst für Noten ausgegeben hätte.

Darüberhinaus hat man auf diese Weise endlich die Chance, in einem Unterricht brandneue Stücke zu spielen, für die es eventuell noch gar keine Noten auf dem Markt gibt!


Schlusswort

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mit diesem Workshop dem Thema "Auswendigspielen" ein bißchen näher kommt.
Aber nicht vergessen: Das Auswendigspielen muss geübt werden - ohne Fleiss kein Preis!

Viel Spass und vor allem Erfolg dabei!! :-)

Quicktip:

Für Keyboard-Neulinge:

Im Keyboard sind mehr Voices als auf den ersten Blick sichtbar.

Dazu beliebige Voice anklicken, mit UP in den übergeordneten Ordner gehen, 2. Seite des Ordners (P2) wählen und staunen.